Es gibt Momente im Leben, die uns wie eine Zeitmaschine zurück in die prägendsten Jahre unserer Jugend katapultieren. Momente, die uns zeigen, dass echter Erfolg und menschliche Größe Hand in Hand gehen. Genau so ein Erlebnis hatte ich vor kurzem – eine Überraschung, die mich zutiefst berührt hat.
Um die Geschichte zu verstehen, müssen wir eine kleine Zeitreise antreten. Von 1983 bis 1985 durfte ich das Trikot des VfB Stuttgart im Bundesligakader tragen. Es war eine goldene Ära für den Verein. Wir wurden in dieser Zeit (1984) Deutscher Meister, die Kabine war voller Nationalspieler und absoluter Weltstars. Ich war damals ein junger Spieler, hungrig, voller Träume – und mittendrin.
Knapp 40 Jahre später – genauer gesagt vor drei Jahren – spielte die Traditionsmannschaft des VfB Stuttgart ganz in der Nähe meines Wohnortes. Ich dachte mir: „Jürgen, das ist die perfekte Gelegenheit, um mal wieder alte Gesichter zu sehen.“ Also machte ich mich auf den Weg. Was als netter Ausflug geplant war, sollte zu einer hochemotionalen Begegnung werden.
Ein Schritt in die Kabine – und zurück in die Vergangenheit
In der Nähe der Spielerkabinen lief ich als Erstes Peter Reichert über den Weg. Nach ein paar kurzen, herzlichen Worten fackelte er nicht lange, packte mich am Arm und sagte: „Komm einfach mit rein!“
Als ich die Kabine betrat, war es, als wäre die Zeit stehen geblieben. Der unwechselbare Geruch, das Lachen, der vertraute Dialekt – und mittendrin die Stars von damals. Doch eine Begegnung hat mich ganz besonders beeindruckt. Am Ende des Raumes entdeckte ich sie: die Forster-Brüder. Bernd und Karlheinz.
Für die jüngere Generation, die den Fußball der 80er Jahre vielleicht nicht mehr ganz präsent hat: Die Forster-Brüder waren das absolute Nonplusultra des deutschen Fußballs.
- Karlheinz Forster, der jüngere der beiden, war einer der besten Vorstopper der Welt. Er wurde 1980 Europameister, 1982 und 1986 Vizeweltmeister und absolvierte 81 Länderspiele.
- Sein älterer Bruder Bernd Forster stand ihm in kaum etwas nach: Er brachte es auf 24 Länderspiele, wurde ebenfalls 1980 Europameister und 1982 Vizeweltmeister. Zusammen waren sie das gefürchtete Defensiv-Bollwerk des VfB Stuttgart.
„Ach, der Jürgen! Linksfuß, stimmt’s?“
Ich lief freudig auf die beiden zu und begrüßte sie. Im ersten Moment schauten mich beide etwas verwundert an – schließlich war unsere gemeinsame Zeit über zwei Jahrzehnte her. Ich dachte mir noch: „Völlig verständlich, wenn sie mich nicht mehr auf dem Schirm haben. Ich hatte ja bei weitem nicht die riesigen Erfolge vorzuweisen wie diese beiden Weltstars.“
Doch dann passierte das, womit ich im Leben nicht gerechnet hatte. Karlheinz sah mich intensiv an, und plötzlich blitzte das Erkennen in seinen Augen auf. Er lächelte und sagte:
„Ach, der Jürgen! Linksfuß, stimmt’s?“
Bernd schaltete sich sofort ein, nickte und meinte: „Ach ja, ich kann mich auch noch gut an dich erinnern!“
In diesem Moment ist mir sprichwörtlich das Herz aufgegangen. Diese Reaktion hat mich absolut gefreut und zutiefst positiv überrascht. Dass sich diese beiden Fußball-Legenden nach all den Jahrzehnten noch so genau an den jungen Spieler von damals, an meine Spielweise und meinen starken linken Fuß erinnern konnten, zeigt, was für außergewöhnliche Charaktere sie sind.
Was echte Vorbilder ausmacht – Gestern wie Heute
Karlheinz und Bernd Forster waren für mich damals nicht nur sportliche Giganten, sie wurden zu meinen großen Vorbildern. Karlheinz war einer derjenigen in der Mannschaft, die sich intensiv und mit echter Empathie um uns junge Spieler gekümmert haben. Sie zeigten uns, was Professionalität, Disziplin und echter Teamgeist bedeuten – ohne dabei jemals die Bodenhaftung zu verlieren.
Sie waren damals – und sind es bis heute geblieben – ganz tolle Menschen: freundlich, nahbar, nett und absolut zuvorkommend. Echte Größe zeigt sich eben nicht nur in Titeln und Pokalen, sondern vor allem darin, wie man den Menschen um sich herum begegnet.
Diese Begegnung hat mir wieder einmal vor Augen geführt, wie wichtig Werte im Sport und im Leben sind. Die Mentalität, die ich damals von Persönlichkeiten wie den Forster-Brüdern lernen durfte, das Wissen um den Wert von Förderung, Respekt und mentaler Stärke, ist genau das Fundament, auf dem ich heute meine eigene Arbeit aufbaue.
Als Mental- und Persönlichkeitscoach gebe ich genau diese wertvollen Erfahrungen heute an junge Fußballtalente und Profis weiter. Ich zeige ihnen, wie man Spitzenleistung bringt, aber auch, wie man als Persönlichkeit reift. Denn am Ende des Tages erinnert man sich im Leben vielleicht nicht mehr an jedes einzelne Spielergebnis – aber man erinnert sich für immer daran, wer ein echter Mentor für einen war.
Danke, Karlheinz und Bernd, für diesen unvergesslichen Moment und für euer bleibendes Vorbild!
